Biegeabzug und Abwicklung berechnen

Der Biegeabzug ist der Betrag, um den eine Blechabwicklung je Kantung kürzer ist als die Summe der Außenmaße. Bei 90° gilt BD = 2 · (R + s) − π/2 · (R + K · s). Für 2 mm Blech mit 2 mm Innenradius sind das 3,84 mm je Kantung. Der Rechner liefert Biegeabzug, Biegezugabe und die gestreckte Länge ganzer Profile.

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Profil (Schenkelmaße nacheinander)

Ergebnis

Gestreckte Länge (Zuschnitt)
192,33mm
Biegeabzug BD je Kantung
3,837mm
Biegezugabe BA
4,163mm
Außenrückversatz OSSB
4mm

BA = π · 90° / 180° · (2 + 0,325 · 2) = 4,163 mm · OSSB = (2 + 2) · tan(45°) = 4 mm · BD = 2 · OSSB − BA = 3,837 mm. L = Σ Außenmaße 200 − 2 · 3,837 = 192,33 mm.

Richtwert – der tatsächliche Biegeabzug hängt von Maschine, Werkzeug und Charge ab. Für Serien einmal an einem Probeteil messen.

Die Formeln

  • Biegezugabe (Länge der neutralen Faser im Bogen): BA = π · β/180° · (R + K · s)
  • Außenrückversatz: OSSB = (R + s) · tan(β/2)
  • Biegeabzug: BD = 2 · OSSB − BA
  • Gestreckte Länge aus Außenmaßen: L = Σ Außenmaße − n · BD
  • Gestreckte Länge aus Innenmaßen (90°): L = Σ Innenmaße − n · (2R − BA)

s = Blechdicke, R = Innenradius, K = K-Faktor, β = Biegewinkel (Umlenkung), n = Anzahl Kantungen.

Rechenbeispiel U-Profil

Edelstahl 2 mm, Innenradius 2 mm, Schenkel außen 50 / 100 / 50 mm. K nach DIN 6935: 0,325. BA = 4,163 mm, BD = 2 · 4 − 4,163 = 3,837 mm. Abwicklung: 200 − 2 · 3,837 = 192,33 mm.

K-Faktor-Tabelle nach DIN 6935

R / sK-FaktorBeispiel: s = 2 mm, R =
0,50,251 mm
0,750,2941,5 mm
10,3252 mm
1,50,3693 mm
20,44 mm
30,4446 mm
40,4768 mm
50,510 mm

Formel: K = (0,65 + 0,5 · lg(R/s)) / 2, begrenzt auf 0,5. CAD-Systeme wie SolidWorks oder Inventor verwenden oft einen festen K-Faktor (z. B. 0,44 oder 0,5) – das erklärt, warum Abwicklungen aus verschiedenen Programmen um Zehntelmillimeter abweichen.

Tabelle: Biegeabzug bei 90° (R = s)

K nach DIN 6935 (bei R = s: 0,325). Richtwerte für den Einstieg.
Blechdicke sInnenradius RBABiegeabzug BD
0,8 mm0,8 mm1,67 mm1,53 mm
1 mm1 mm2,08 mm1,92 mm
1,25 mm1,25 mm2,6 mm2,4 mm
1,5 mm1,5 mm3,12 mm2,88 mm
2 mm2 mm4,16 mm3,84 mm
2,5 mm2,5 mm5,2 mm4,8 mm
3 mm3 mm6,24 mm5,76 mm
4 mm4 mm8,33 mm7,67 mm
5 mm5 mm10,41 mm9,59 mm

Innenmaß, Außenmaß – und wann der Biegeabzug egal ist

Viele Arbeitsplatten-Konfiguratoren geben Innenmaße an, und der Zuschnitt wird als einfache Summe der Innenmaße gerechnet. Das funktioniert, weil bei R ≈ s die Biegezugabe fast genau 2 · R beträgt: Bei 1 mm Blech mit R = 1 mm ist BA = 2,081 mm, der Fehler also 0,081 mm je Kantung. Bei 3 mm Blech oder großen Radien sollten Sie dagegen mit dem Biegeabzug rechnen.

Kantwerk kann beides: Zuschnitt aus Innenmaßen ohne Abzug, mit K-Faktor oder mit einem festen Abzug aus Ihrer Kantbank-Tabelle. Wie groß Gesenk, Innenradius und Biegekraft beim Abkanten werden, rechnet der Abkant-Rechner.

Häufige Fragen

Wie berechnet man den Biegeabzug?

Biegeabzug BD = 2 · (R + s) · tan(β/2) − BA, mit Biegezugabe BA = π · β/180° · (R + K · s). Bei 90° vereinfacht sich das zu BD = 2 · (R + s) − π/2 · (R + K · s). Beispiel s = 2 mm, R = 2 mm, K = 0,325: BD = 8 − 4,163 = 3,837 mm je Kantung.

Was ist der K-Faktor beim Blechbiegen?

Der K-Faktor gibt an, wo die neutrale Faser (die Schicht, die beim Biegen weder gestaucht noch gestreckt wird) im Blechquerschnitt liegt – als Anteil der Blechdicke von der Innenseite aus. K = 0,5 bedeutet Mitte. Bei engen Radien wandert sie nach innen, typische Werte liegen zwischen 0,3 und 0,5.

Welchen K-Faktor nehme ich für Edelstahl oder Aluminium?

DIN 6935 bestimmt den K-Faktor aus dem Verhältnis Innenradius zu Blechdicke, unabhängig vom Werkstoff: K = (0,65 + 0,5 · lg(R/s)) / 2, ab R/s ≥ 5 gilt K = 0,5. Bei R = s ergibt das K ≈ 0,33. Werkstoff, Walzrichtung und Werkzeug verschieben den realen Wert leicht – deshalb für Serien den Biegeabzug an einem Probeteil messen.

Wie berechne ich die Abwicklung eines Blechteils?

Gestreckte Länge = Summe der Außenmaße aller Schenkel minus Anzahl der Kantungen × Biegeabzug. Ein U-Profil 50/100/50 mm aus 2 mm Blech (R = 2 mm) hat so eine Abwicklung von 200 − 2 × 3,837 = 192,33 mm.

Warum rechnen manche Betriebe mit Innenmaßen ohne Biegeabzug?

Bei dünnem Blech und kleinem Radius (R ≈ s) ist die Biegezugabe BA fast genau 2 · R. Dann ergibt die einfache Summe der Innenmaße nahezu die richtige Zuschnittlänge – bei 1 mm Blech mit R = 1 mm liegt der Unterschied unter 0,1 mm pro Kantung. Bei dickerem Blech oder großen Radien reicht das nicht mehr.

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